Karsten Willemer

Karsten Willemer lebt mit seiner Familie in Celle. Er ist dort Pastor an der Pauluskirche.

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Gott lernt dazu.

Und wir?

Keine Gnade für die Mörder!
Todesstrafe!
Sofortige Abschiebung!
Hart durchgreifen!

Gott macht nicht nur Sprüche. Gott handelt. Die Mörder und Verbrecher werden vernichtet. Nur Noah bleibt übrig. Noah und seine Familie. Die letzten Gerechten entkommen auf der Arche. Alle anderen sterben. Gott macht ernst.

Und dann?

Dann merkt Gott, dass es so nicht geht.
Das Böse lässt sich nicht mit Gewalt aus der Welt schaffen.
Auch nach der Sintflut ist es vorhanden.
Der Mensch hat sich nicht verändert.

Aber Gott hat sich verändert.
Gott lernt dazu.
Gott merkt, dass Gewalt kein Heilmittel gegen das Böse ist.

Gott geht einen anderen Weg.
Gott reicht der Welt die Hand zur Versöhnung:

"Solange die Erde steht, soll nicht aufhören Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht."


(Die Bibel, 1. Buch Mose Kapitel 9 Vers 22. Der Monatsspruch für Januar)


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Bild: Karsten Willemer

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"Predigtgedanken" neu geordnet.

Ich habe die Seite "Predigtgedanken" neu geordnet. Dort findet man nun die Überschriften zu meinen Predigten. Über einen Link wird man direkt zur richtigen Predigt geleitet. Das neue System ist übersichtlicher, auch angesichts einer steigenden Zahl von Predigten, die hier veröffentlicht sind.
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Pastoren als Sündenbock

Wieder einmal müssen es die Pastoren ausbaden. Diesen Eindruck gewinnt man bei der Lektüre des Beitrags von Manfred Josuttis im Deutschen Pfarrerblatt (3/2014). Josuttis kritisiert die Ausblendung des Opfergedankens in theologischen Entwürfen der Gegenwart. Das Opfer sei eine „Grunddimension christlichen Glaubens“ und dürfe nicht vernachlässigt werden, so Josuttis. Wer dies tue, verzeichne die biblische Tradition in unzulässiger Weise. Dieser Kritik kann im Grundsatz erst einmal zugestimmt werden. In der Bibel begegnet uns Gottes Zuspruch und Anspruch, und beides will wahrgenommen sein.

Problematisch wird es, wenn Josuttis im dritten Teil seines Beitrages unter der Überschrift „Die Opferbereitschaft der Zeugen“ ganz konkret den Beamtenstatus und die Besoldung der deutschen Pfarrerschaft ins Visier nimmt. Die Besoldung der Pfarrerschaft durch ein beamtenähnliches Modell in Preußen sei der Versuch gewesen, die Pfarrerschaft dem Proletariat zu entfremden, kritisiert Josuttis. Und er geht noch weiter: Durch den Beamtenstatus hätten die Pastoren die Ungesichertheit ihrer Existenz verloren, die seit dem Märtyrer Stephanus kennzeichnend für alle Zeugen Jesu gewesen sei. Deshalb sieht Josuttis es als Chance an, wenn der Beamtenstatus  für Pastoren langfristig nicht zu halten sei. Denn dann „wird der Pastorenberuf … eine Berufung benötigen, in der die Wahl zwischen Gott und dem Mammon nicht nur im Geist zu treffen ist.“

Diese Aussage ist, mit Verlaub, eine Frechheit. Unterstellt sie doch der gegenwärtigen Pfarrerschaft, den Pastorenberuf nicht aufgrund einer Berufung, sondern aus Bequemlichkeit gewählt zu haben. Offenbar hat der Herr Professor seine eigenen Jahre im Pfarrhaus bereits so verklärt, dass ihm ein klarer Blick auf die Wirklichkeit nicht mehr möglich ist.

Als gutsituierter Emeritus lässt sich leicht von anderen Opfer verlangen. Da kann man dann auch entspannt die theologische Existenz im Kirchenkampf oder in der DDR idealisieren und zum Vorbild für die heutige angeblich verweichlichte Pastorengeneration missbrauchen.

Die Frage, warum Josuttis Zeugenschaft allein auf die Berufsgruppe der Pastoren begrenzt, beantwortet er nicht. Der Verdacht drängt sich auf, mit dem Beitrag solle die Pfarrerschaft ideologisch sturmreif geschossen werden, um in der Zukunft noch größere Opfer von ihr zu verlangen. Damit hätte sich Josuttis allerdings zum nützlichen Idioten der kirchlichen Obrigkeit gemacht, die er sonst so gerne kritisieren möchte.





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7 Wochen ohne Internet?

Von der Schauspielerin Iris Berben wird berichtet, sie sei glücklich ohne Internet und E-Mail. Statt mit Smartphone und Computer verbringe sie die Zeit lieber mit Büchern und Tagträumen, heißt es in der CZ.
Eine erstaunliche Meldung. Sie belegt, dass auch Menschen, die im Berufsleben stehen, auf neue Medien verzichten können. Nun gehört Frau Berben mit 63 Jahren nicht zu der Generation, die mit Smartphone und Tablet aufgewachsen sind. Und vermutlich hat sie Mitarbeiter, die ihre Kommunikation mit der Außenwelt sicherstellen. Dennoch ist es nicht selbstverständlich, dass eine Schauspielerin, die ja von ihrer Präsenz in der Öffentlichkeit lebt, nicht aktiv bei Facebook, Twitter und Co. ist.
Offenbar geht es also doch noch, ohne die Nutzung des Internets zu leben.

Am Aschermittwoch beginnt wieder die evangelische Fastenaktion »7 Wochen Ohne«. Mehr als drei Millionen Menschen folgen der Einladung zum Fasten im Kopf: sieben Wochen lang die Routine es Alltags hinterfragen, eine neue Perspektive einnehmen, entdecken, worauf es ankommt im Leben. Seit mehr als 30 Jahren lädt »7 Wochen Ohne« dazu ein, die Zeit zwischen Aschermittwoch und Ostern bewusst zu erleben und zu gestalten.

Ob es wohl möglich ist, in der Zeit zwischen Aschermittwoch und Ostern auf die Nutzung des Internets zu verzichten? Ich bin mir selbst unsicher. Zu selbstverständlich erscheint mir der tägliche Blick in die E-Mails. Und die Website der Gemeinde muss schließlich auch gepflegt werden.

1999 hatte die Fastenaktion »7 Wochen Ohne« das Motto »Medienlos« ausgegeben und zum kritischen Umgang mit dem eigenen Medienkonsum aufgerufen. Damals sah die Medienlandschaft noch anders aus.
Heute ist das Internet eine selbstverständliche Plattform auch für die Fastenaktion selbst. Unter www.7wochenohne.evangelisch.de finden Sie Infos, Videos und Downloads zum diesjährigen Motto »Selber denken – 7 Wochen ohne falsche Gewissheiten«. Unter anderem auch ein »Selberdenker-Test« zur Überprüfung: »Welcher Typ sind Sie?«.

Man kann über solche Dinge lächeln oder den Kopf schütteln. Das Motto und die Aktion an sich bleiben ja richtig. Nutzen wir die Zeit bis Ostern, um unsere falschen Gewissheiten in Frage zu stellen. Was ist wirklich wichtig? Ist das, was wir tun, tatsächlich alternativlos? 
Vielleicht haben Sie ja den Mut, vorübergehend auf liebgewonnene Angewohnheiten zu verzichten. Möglicherweise auch auf das Internet.
Ich wünsche Ihnen eine gute Zeit!

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Weihnachtschristen? Herzlich willkommen!

Ein Bekannter fragte mich neulich: „Sag mal ärgert es dich nicht, wenn am Sonntag all diese Weihnachtschristen in die Kirche kommen, die sonst nie im Gottesdienst dabei sind? Das ganze Jahr über kümmern Sie sich nicht um die Kirche, und zu Weihnachten nehmen sie den Frommen die Sitzplätze weg.“

Ich musste nicht lange überlegen: „Nein, im Gegenteil, ich freue mich, dass sie in den Gottesdienst kommen. Das ist doch auch eine Entscheidung. Es gibt so viele, die auch Weihnachten ganz ohne Kirche feiern.“

Um es noch deutlicher zu machen versuchte ich es mit einem Beispiel:

„Viele Menschen in unserem Land interessieren sich nicht für die Fußball-Bundesliga. Wenn aber die Weltmeisterschaft stattfindet, sitzen viele Bundesliga-Muffel begeistert vor dem Fernseher. Und niemand käme auf die Idee zu sagen: Wenn Ihr nicht jeden Samstag die Sportschau anschaltet, dann habt Ihr auch kein Recht die Länderspiele zu gucken.

Alle freuen sich gemeinsam an dem schönen Ereignis. Und wenn Deutschland mal wieder Weltmeister wird, dann ist das wie Weihnachten und Ostern zugleich.“

Wenn wir in der Pauluskirche Weihnachten feiern, dann ist das wie Weltmeisterschaft und Olympische Spiele zugleich. Es ist ein tolles Ereignis, das wir gerne mit allen teilen, die mitfeiern wollen.

Sie möchten dabei sein? Herzlich willkommen!


Birgit Koester
vor etwa 4 Jahren
Das Phänomen der sogenannten "U-Boot-Christen" , die nur Weihnachten auftauchen,kennt man ja auch in der katholischen Kirche (hoffe ich darf mich hier äußern ;-) ).Ich bin dann eher amüsiert wenn sie dann in der ersten Reihe sitzen und man merkt, das sie sich sonst eher selten in der Kirche sehen lassen. Es ist aber auch schön, wenn man merkt, das auch in der Adventszeit Menschen dazukommen, die man sonst im Jahr eher seltener sieht und die Gemeinschaft und die besinnliche Atmosphäre zu schätzen weiß. Eine schöne Weihnachtszeit und viele Grüße aus Münster
Karsten Willemer vor etwa 4 Jahren
Liebe Frau Koester,
ich freue mich, dass Sie meine Seite lesen und kommentieren!
Ja, die Unsicherheit ist manchmal groß bei den Menschen, die nicht regelmäßig am Gottesdienst teilnehmen. Ich nehme das für mich als Aufgabe, die Gottesdienste so zu gestalten, dass auch diese Menschen entspannt teilnehmen können. Die Bezeichnungen "Weihnachtschristen" oder "U-Boot-Christen" ist nicht besonders schmeichelhaft und trägt in sich den Vorwurf: Warum kommt Ihr nicht öfter?
Mir ist es wichtig, die Menschen wertzuschätzen, die selten in die Kirche kommen. Ich freue mich, dass sie da sind. Ich freue mich auch, wenn sie wieder kommen. Aber zunächst freue ich mich jetzt, dass sie jetzt da sind.
Wir haben in der Pauluskirche gute Erfahrungen gemacht mit besonderen Gottesdienstangeboten. So bieten wir mehrmals im Jahr einen abendlichen Filmgottesdienst an, die "Sternstunde". Da kommen dann viele, die am Sonntagmorgen zuhause bleiben. Und auch da sagen wir: Herzlich willkommen!
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Hubschrauber-Pastoren sind grauenvoll!

Es ist erstaunlich, welche seltsamen Vorstellungen auch kirchenleitende Personen vom Pfarrberuf haben. In seinem Gastkommentar in der Evangelischen Zeitung vom 1. Dezember fordert Henning von Wedel, Mitglied der Kirchenleitung der Nordkirche, nicht weniger als die ständige Präsenz der Pastorinnen und Pastoren in den Gemeinden. Wer als Ordinierter ein Recht auf Freizeit für sich beansprucht macht sich verdächtig. Wer das seltene predigtfreie Wochenende zu etwas anderem nutzt als zum Gottesdienstbesuch, ist letztlich Schuld an den leeren Kirchenbänken. Und wer es wagt, neben seinem Beruf auch noch Zeit für die eigene Familie zu haben oder gar für persönliche Bedürfnisse, dem wird die theologische Existenz abgesprochen. Ja, geht’s noch?

Ärgerlich und völlig unevangelisch ist auch Wedels Bild von der Gemeinde, wenn er die Gemeindeglieder mit (unmündigen) Kindern gleichsetzt, um die sich Pastorinnen und Pastoren wie fürsorgliche Eltern ohne Pause zu kümmern hätten. Die Menschen in den Gemeinden sind in der Regel viel selbständiger als Wedel glaubt. Und „Hubschrauber-Pastoren“, die unablässig um ihre Gemeinde kreisen, sind ebenso grauenvoll wie die entsprechenden Eltern.

Hoffentlich ist Wedels Kommentar eine extreme Einzelmeinung und kein kirchenleitender Konsens. Klar ist: Wer den Pastorenberuf mit solch überzogenen Ansprüchen belegt, hat offenbar kein Interesse an Nachwuchstheologen. Denn junge Menschen, die ihrem Arbeitgeber unbegrenzten Einsatz bis zur Selbstaufgabe bieten, finden in der freien Wirtschaft bessere Angebote.





Christof Vetter vor etwa 4 Jahren
ich würde gernd er Redaktion vorschlagen, diese Meinungsäußerung als leserbrief zu veröffentlichen... Ihr Einverständnis vorausgesetzt...
Karsten Willemer vor etwa 4 Jahren
Schlagen Sie es gerne vor. Ich hab den Text der Redaktion auch schon gemailt.
Es freut mich, dass Sie meine Seite wahrnehmen.
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Das Leben ist bunt

„Mit Unterschieden leben!"  So lautet das Motto der diesjährigen Woche der Diakonie. Es wirbt dafür die Vielfalt in der Gesellschaft als Gewinn zu sehen.

„Menschen sind ja so verschieden.", sagt etwa Diakonie-Direktor Christoph Künkel. „Das macht den Reiz unseres Miteinanders aus, das wir verschieden aussehen, unterschiedlich denken, anders leben. Unsere Gesellschaft lebt von der Vielfalt."

Dem kann ich nur zustimmen. Wer wollte schon in einer voller gleichförmiger Klone leben? Allerdings gibt es die wunderbare Vielfalt nicht umsonst. Es kostet etwas, dass die unterschiedlichen Menschen gut zusammen leben können.
Es kostet Zeit und Geld und Kraft, wenn wir diejenigen unterstützen, die auf Hilfe angewiesen sind. Es kostet Rücksichtnahme und Verständnis, wenn wir denen offen begegnen, die anders leben als wir.

Die Woche der Diakonie hat den Gedanken der Inklusion in den Mittelpunkt gestellt. Diakoniedirektor Künke beschreibt Inklusion so: „Es geht nicht um Gleichmacherei. Wohl aber soll allen Menschen die Möglichkeit eingeräumt werden, selbstbestimmt und in eigener Verantwortung am Leben teilzuhaben, unabhängig von einer Behinderung, ihrem Alter, dem Einkommen oder ihrer Herkunft."

„Mit Unterschieden leben!" Diese Idee ist auch eine Herausforderung. Denn die Vielfalt, die unsere Gesellschaft bunt macht, wird immer wieder als Bedrohung empfunden. Wir wollen keine Welt voller Klone. Aber wir haben auch Angst vor dem, was anders ist. Dann bauen wir innerlich Mauern auf. Wir wehren ab, was wir nicht kennen.

Abwehrende Stimmen meldeten sich nachdem der Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland eine Orientierungshilfe zum Thema Familie herausgegeben hatte. Das traditionelle Bild von Ehe und Familie sei in Gefahr, wenn anderen Formen von Lebensgemeinschaften gleiche Rechte eingeräumt würden.
Warum das so sein soll, leuchtet mir allerdings nicht ein. Meine  Ehe wird doch nicht wertloser, wenn auch gleichgeschlechtliche Paare heiraten dürfen.

Das Leben ist bunt. Und wir Menschen sind ja so verschieden. Das ist nicht immer ganz einfach zu ertragen. Aber es lohnt sich, wenn wir lernen, mit Unterschieden zu leben.

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